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Können Kakaoflavanole beim Sonnenschutz der Haut helfen?

Kakaoflavanole können UV-Rötungen leicht mindern, doch die Evidenz ist uneinheitlich. Hier erfahren Sie, was Studien am Menschen zeigen, welche Dosen verwendet wurden und warum sie nicht als Sonnenschutz betrachtet werden sollten.

Mann auf schattiger Dachterrasse mit Kakaogetränk, Sonnenhut und Sonnencreme.

Kurzantwort

Kakaoflavanole sind pflanzliche Stoffe, die in speziell verarbeitetem Kakao vorkommen. Bei regelmäßiger Einnahme vor UV-Belastung können sie UV-Rötungen leicht mindern, doch die Forschung ist uneinheitlich und stammt meist aus kleinen Studien. Sie sind kein essbarer Sonnenschutz. Für die Einnahme nach einem Sonnenbrand, um Schäden zu reparieren oder die Erholung zu beschleunigen, ist die Evidenz deutlich schwächer.

Evidenzstärke
auf einen Blick
Moderat

Es gibt mehrere randomisierte Studien am Menschen und neuere Übersichtsarbeiten, aber die Studien sind klein, stützen sich auf indirekte Hautmessungen und kommen nicht alle zu denselben Ergebnissen.

1. Was sind Kakaoflavanole?

Kakaoflavanole sind eine Gruppe von Polyphenolen, also pflanzlichen Stoffen, die in Kakaobohnen vorkommen. Zu den wichtigsten in der Hautforschung gehören Epicatechin, Catechin und größere verwandte Verbindungen, die Oligomere genannt werden.

Das bedeutet nicht, dass Schokolade die Haut schützt. Die meisten Hautstudien verwendeten standardisierte Kakaogetränke, -pulver, Nahrungsergänzungsmittel oder speziell formulierte Schokolade mit hohem Flavanolgehalt. Gewöhnliche Schokolade kann je nach Bohnensorte, Röstung, Alkalisierung und Verarbeitung sehr unterschiedliche Mengen an Flavanolen enthalten. Manche Produkte enthalten viel Zucker und Fett, aber nur wenig Flavanole.

Dieser Unterschied zwischen Produkten ist wichtig. 2023 ließ die FDA nur eine eng gefasste qualifizierte gesundheitsbezogene Angabe zur Herz-Kreislauf-Gesundheit für Kakaopulver mit hohem Flavanolgehalt zu und erklärte, dass die Evidenz sehr begrenzt sei. Sie stellte außerdem klar, dass diese Angabe nicht für normales Kakaopulver oder Schokoladenprodukte im Allgemeinen gilt. Für die Haut gilt derselbe praktische Vorbehalt: Die Studien betreffen Kakaoflavanole und sind kein allgemeiner Grund, mehr Schokolade zu essen.

Kakaobohnen und dunkles Kakaopulver neben einem Strohhut auf einem hellen Tisch.
Die meisten Hautstudien verwendeten standardisierte Kakaoprodukte mit hohem Flavanolgehalt, keine gewöhnliche Schokolade.

2. Wie sie der Haut beim Umgang mit UV helfen könnten

UV-Licht kann die Haut röten, Entzündungen auslösen und mit der Zeit zum Abbau von Kollagen und zur lichtbedingten Hautalterung beitragen. Kakaoflavanole könnten mehrere dieser Wege beeinflussen, auch wenn ein großer Teil der Evidenz noch indirekt ist.

Einer der klareren Befunde beim Menschen betrifft die Durchblutung. In einer kleinen Cross-over-Studie mit 10 gesunden Frauen erhöhte ein einzelnes Kakaogetränk mit hohem Flavanolgehalt und etwa 329 mg Flavanolen nach 2 Stunden die dermale Durchblutung und die Sauerstoffsättigung. Ein Kakaogetränk mit niedrigem Flavanolgehalt tat das nicht. Eine bessere Mikrozirkulation der Haut könnte theoretisch dazu beitragen, Sauerstoff und Nährstoffe besser zu liefern und die Haut unter Belastung etwas widerstandsfähiger zu machen.

Labor- und Mechanismusforschung deutet außerdem darauf hin, dass Kakaoflavanole antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen haben. Übersichtsarbeiten beschreiben mögliche Effekte auf zelluläre Abwehrsysteme wie Nrf2 und HO-1, eine geringere entzündliche Signalgebung und eine verringerte Aktivität von Enzymen, die die Strukturmatrix der Haut abbauen. Diese Mechanismen sind plausibel, beweisen aber nicht, dass Kakaoflavanole Sonnenbrand im Alltag verhindern oder UV-Schäden reparieren, wenn sie bereits eingetreten sind.

3. Was die Evidenz beim Menschen sagt

Die beste Evidenz gibt es für den Einsatz von Kakaoflavanolen vor UV-Belastung. Forschende messen das oft mit der minimalen Erythemdosis, kurz MED: der UV-Menge, die nötig ist, um eine sichtbare Hautrötung auszulösen. Eine höhere MED deutet darauf hin, dass die Haut auf eine kontrollierte UV-Belastung weniger stark reagiert.

Mehrere kleine Studien berichteten über vielversprechende Ergebnisse:

  • In einer randomisierten Studie aus dem Jahr 2006 tranken 24 junge Frauen entweder Kakao mit hohem Flavanolgehalt, etwa 326 mg Flavanole pro Tag, oder Kakao mit niedrigem Flavanolgehalt über 12 Wochen. Die UV-bedingte Rötung sank in der Gruppe mit hohem Flavanolgehalt nach 6 Wochen um etwa 15 % und nach 12 Wochen um 25 %. Die Studie berichtete außerdem über Verbesserungen bei Hautrauigkeit, Schuppung und feuchtigkeitsbezogenen Messwerten.
  • In einer doppelblinden Studie aus dem Jahr 2009 mit 30 gesunden Erwachsenen erhöhte 12 Wochen lang flavanolreiche Schokolade die MED, während herkömmliche Schokolade mit geringerem Flavanolgehalt dies nicht tat.
  • In einer Ernährungsinterventionsstudie aus dem Jahr 2019 blieb 1 Woche mit 1 g pro Tag Kakao mit hohem Flavanolgehalt ohne Wirkung, aber 4 bis 6 g pro Tag erhöhten die Schwelle für sichtbare Rötung und verringerten die gemessene Rötung nach UV-Belastung. Das deutet darauf hin, dass die Dosis wichtig sein könnte, auch wenn nur 10 Personen teilnahmen.

Der stärkste Grund zur Vorsicht kommt aus einer größeren Studie von 2014. Bei 74 Frauen mit heller Haut wurden 30 g pro Tag flavanolreiche Schokolade mit 600 mg Flavanolen 12 Wochen lang mit flavanolarmer Schokolade verglichen. In beiden Gruppen stieg die MED in ähnlichem Ausmaß, und der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant. Die Gruppe mit hohem Flavanolgehalt zeigte zwar eine kleine Verbesserung der Elastizität im Schläfenbereich, doch der wichtigste Endpunkt zum Lichtschutz fiel negativ aus.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 mit Frauen mit mäßiger lichtbedingter Hautalterung ergänzt das Bild. Über 24 Wochen verbesserte eine Ergänzung mit Kakaoflavanolen im Vergleich zu Placebo die Faltentiefe und die Hautelastizität, und Zusammenfassungen in Übersichtsarbeiten berichten außerdem über eine verbesserte MED. Das spricht eher für mögliche langfristige Vorteile bei lichtbedingter Hautalterung als für verlässlichen akuten Sonnenschutz.

Insgesamt sind die Befunde ermutigend, aber nicht eindeutig. Kakaoflavanole könnten in manchen Situationen die Schwelle der Haut für UV-Rötung leicht erhöhen, doch der Effekt ist nicht konsistent genug, um sich beim Sonnenschutz darauf zu verlassen.

Kleine Studien: Einige berichten nach mehreren Wochen über eine höhere MED und weniger UV-Rötung.

Gemischte Ergebnisse: Eine größere Studie aus dem Jahr 2014 zeigte keinen besseren Lichtschutz.

Der Zeitpunkt zählt: Die Evidenz spricht für eine regelmäßige Einnahme vor der UV-Belastung, nicht für die Reparatur nach Sonnenexposition.

4. Können sie nach Sonnenexposition helfen?

Hier ist die Evidenz deutlich schwächer.

Die meisten Studien am Menschen gaben Kakaoflavanole vor einer kontrollierten UV-Belastung und maßen dann Rötung, Durchblutung, Elastizität oder Hauttextur. Sie prüften nicht, ob die Einnahme von Kakaoflavanolen nach einem Sonnenbrand Schmerzen lindert, die Abschuppung beschleunigt, DNA-Schäden repariert oder das spätere Hautkrebsrisiko senkt.

Dieser Unterschied ist wichtig. Die Haut über mehrere Wochen vorzubereiten, ist etwas anderes, als eine UV-Schädigung zu behandeln, die bereits eingetreten ist. Kakaoflavanole könnten Entzündungen und Durchblutung beeinflussen, daher ist ein Nutzen nach der Exposition biologisch möglich. Derzeit ist die klinische Evidenz beim Menschen für die Erholung nach der Sonne jedoch sehr schwach.

Bei Sonnenbrand sind praktische Maßnahmen sinnvoller: die Haut kühlen, ausreichend trinken, reizarme Feuchtigkeitscremes verwenden, weitere Sonne vermeiden und bei Blasen, Fieber, starken Schmerzen oder großflächigen Verbrennungen ärztlichen Rat einholen.

5. Praktische Hinweise

In Hautstudien wurden meist standardisierte Produkte mit hohem Flavanolgehalt eingesetzt, oft etwa 300 bis 600 mg Kakaoflavanole pro Tag über 1 bis 24 Wochen. Die EU hat für Kakaoflavanole bei einer täglichen Zufuhr von 200 mg aus geeigneten Kakaogetränken oder dunkler Schokolade eine gesundheitsbezogene Angabe zur Gefäßgesundheit zugelassen, doch das ist eine Angabe zur Durchblutung, nicht aber eine belegte Dosis für Hautschutz.

Wenn Sie Kakaoflavanole ausprobieren möchten, achten Sie auf ein Produkt, das seinen Flavanolgehalt klar angibt. Eine gewöhnliche Tafel dunkler Schokolade liefert möglicherweise nicht die in Studien verwendete Menge, und genug Schokolade zu essen, um einen Flavanol-Zielwert zu erreichen, kann unnötig viel Zucker, gesättigte Fettsäuren und Kalorien mit sich bringen.

Auch der Zeitpunkt muss realistisch eingeordnet werden. Die positivsten Studien verwendeten eine regelmäßige Einnahme über Wochen, nicht eine einzelne Portion vor dem Hinausgehen. Kakaoflavanole lassen sich eher als mögliche begleitende Ernährungsstrategie sehen, nicht als etwas, das die Haut kurzfristig auf starke Sonne vorbereitet.

6. Sicherheit und wer vorsichtig sein sollte

Die kurzfristige Sicherheit in Studien erscheint insgesamt akzeptabel. Die Schokoladenstudie aus dem Jahr 2014 berichtete über keine signifikanten unerwünschten Ereignisse, und neuere Übersichtsarbeiten zu Studien mit Nahrungsergänzungsmitteln gegen lichtbedingte Hautalterung beschreiben Interventionen von bis zu 24 Wochen insgesamt als offenbar sicher.

Trotzdem gibt es bei der Anwendung im Alltag wichtige Einschränkungen. Kakao und Schokolade können Koffein und Theobromin enthalten, was für Menschen mit Empfindlichkeit gegenüber stimulierenden Stoffen problematisch sein kann. Produkte auf Schokoladenbasis können außerdem Zucker, Fett und Kalorien liefern. Die FDA hat zudem Bedenken wegen Verunreinigungen mit Blei und Cadmium in einigen Kakao- und Schokoladenprodukten erörtert, daher ist die Produktqualität kein Nebendetail.

Wer schwanger ist, stillt, Migräne oder Reflux hat, empfindlich auf Koffein reagiert oder Medikamente einnimmt, sollte vor der Anwendung konzentrierter Kakaoflavanol-Präparate ärztlichen Rat einholen. Menschen mit einer Kakaoallergie sollten sie meiden.

Fazit

Kakaoflavanole sind ein plausibler und interessanter Bereich der Ernährungsforschung zur Haut. Die regelmäßige Einnahme standardisierter Kakaoprodukte mit hohem Flavanolgehalt kann UV-bedingte Rötungen leicht mindern oder einige Messwerte der lichtbedingten Hautalterung verbessern, doch die Ergebnisse sind gemischt und die Studien klein. Die Evidenz für eine Reparatur der Haut nach Sonnenexposition ist derzeit sehr begrenzt. Kakaoflavanole lassen sich daher höchstens als mögliche Ergänzung zu sicherem Verhalten in der Sonne sehen, niemals als Ersatz.

Quellen

  1. Heinrich et al., 2006 — Kakao mit hohem Flavanolgehalt und UV-Erythem
  2. Neukam et al., 2007 — Kakaoflavanole und Mikrozirkulation der Haut
  3. Williams et al., 2009 — Flavanolreiche Schokolade und UV-Schutz
  4. Mogollon et al., 2014 — Studie zu Schokoladenflavanolen und Lichtschutz
  5. Yoon et al., 2016 — Kakaoflavanole und lichtgealterte Haut
  6. Calzavara-Pinton et al., 2019 — Kakao mit hohem Flavanolgehalt und Erythemschwelle
  7. Natarelli et al., 2025 — Systematische Übersichtsarbeit zu oralen Nahrungsergänzungsmitteln und Lichtschutz
  8. Yang et al., 2025 — Meta-Analyse zu Nahrungsergänzungsmitteln bei lichtbedingter Hautalterung
  9. Parrado et al., 2018 — Übersicht zum oralen Lichtschutz
  10. Linus Pauling Institute — Flavonoide und Hautgesundheit
  11. FDA, 2023 — Qualifizierte gesundheitsbezogene Angabe für Kakaoflavanole
  12. Verordnung der Europäischen Kommission 2015/539 — Kakaoflavanole und Durchblutung
  13. Antwortschreiben der FDA — Sicherheit von Kakaoflavanolen und regulatorischer Kontext

Haftungsausschluss

Haftungsausschluss: Wir bemühen uns nach besten Kräften, relevante, genaue und möglichst aktuelle Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen sowie aus der klinischen und medizinischen Forschung zu finden. Für offizielle Informationen zum Thema empfehlen wir, wissenschaftliche Quellen zu prüfen. Dieser Beitrag ist nicht als medizinische Beratung gedacht. Der Gesundheitszustand jedes Menschen ist unterschiedlich, und wir raten dazu, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren.